Warum mich die Engpasskonzentrierte Strategie bis heute begleitet

Die Engpasskonzentrierte Strategie (EKS) nach Wolfgang Mewes begleitet mich seit vielen Jahren. Ihr Grundgedanke – nicht möglichst viele Themen zu bearbeiten, sondern den entscheidenden Engpass einer Zielgruppe zu lösen – prägt bis heute meinen Blick auf Produktmanagement, Produktdaten und digitale Prozesse.


„Warum mich dieser Ansatz geprägt hat“

Rückblickend erkenne ich viele Elemente der EKS in meinem beruflichen Werdegang wieder. Ob in der Baupraxis, im Produktmanagement, bei regulatorischen Fragestellungen oder im Umgang mit digitalen Produktdaten – die größten Fortschritte entstanden selten durch zusätzliche Aktivitäten, sondern durch die Konzentration auf die tatsächlich relevanten Themen. Besonders an den Schnittstellen zwischen Fachlichkeit, Prozessen und Informationen zeigen sich häufig die entscheidenden Engpässe. Genau dort liegt bis heute ein Schwerpunkt meiner Arbeit.


„Statt mehr Daten lieber bessere Daten“

Die Digitalisierung hat dazu geführt, dass heute mehr Informationen verfügbar sind als je zuvor. Gleichzeitig steigt die Herausforderung, aus dieser Informationsmenge die tatsächlich relevanten Inhalte herauszufiltern. Aus meiner Sicht entsteht der Nutzen digitaler Produktdaten nicht durch ihre Menge, sondern durch ihre Qualität, Konsistenz und Anwendbarkeit. Daten entfalten ihren Wert erst dann, wenn sie den jeweiligen Nutzer bei einer konkreten Aufgabe unterstützen.


„Warum EKS heute aktueller denn je ist“

Mit der zunehmenden Digitalisierung, dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz, steigenden Nachhaltigkeitsanforderungen und einer wachsenden Regulierungsdichte nimmt die Komplexität in vielen Bereichen weiter zu. Gleichzeitig stehen Zeit und Ressourcen nicht unbegrenzt zur Verfügung. Die Fähigkeit, den tatsächlichen Engpass zu erkennen und die verfügbaren Mittel gezielt darauf auszurichten, wird dadurch immer wichtiger. Genau darin liegt für mich die anhaltende Aktualität der EKS.


Auch wenn sich Technologien, Märkte und Rahmenbedingungen verändern, bleibt die zentrale Frage dieselbe: Wo liegt der tatsächliche Engpass und wie kann er wirksam gelöst werden? Die Suche nach dieser Antwort begleitet mich bis heute.


Du kontrollierst dein Handeln – nicht das Ergebnis: Was wir von Konfuzius und den Stoikern lernen können

„Ob das Ziel erreicht wird oder nicht, ist einer höheren Ordnung überlassen.“

Nicht wörtlich überliefert, aber sinngemäß treffend formuliert: Dieser Gedanke ist in der konfuzianischen Tradition – und besonders bei Mengzi – zentral.

Naheliegende Formulierungen im Geist von Mengzi wären etwa:
„Man tut das, was als gerecht und richtig geboten ist, und überlässt das Ergebnis dem Himmel.“

Oder:
„Der Mensch bestimmt seine Pflicht – doch Erfolg oder Misserfolg liegen beim Himmel.“

Konfuzius konzentrierte sich auf das, was in seiner Verantwortung lag: sein Handeln, seine Haltung und die Erfüllung seiner Pflicht. Ob daraus Erfolg entstand, sah er nicht allein als Ergebnis seines Willens. Er akzeptierte, dass größere Kräfte, Umstände oder ein „Schicksal“ jenseits seiner Kontrolle wirken.

Diese Haltung erinnert stark an die spätere stoische Idee:
„Handle richtig – aber binde dich nicht an das Ergebnis.“

Oder moderner gesagt:
Man kann Einsatz, Charakter und Richtung wählen – aber nicht bestimmen, wie die Welt darauf reagiert.

Für Konfuzius war das keine abstrakte Theorie. Politisch scheiterte er häufig; viele Herrscher hörten ihm nicht zu. Dennoch gab er seine Prinzipien nicht auf. Der Sinn lag für ihn nicht allein im Erfolg, sondern bereits im richtigen Handeln selbst.

„Ob er sein Ziel erreichte oder nicht, stellte er einer höheren Fügung anheim.“

Das bedeutet: loslassen, nichts erzwingen, anerkennen, dass nicht alles kontrollierbar ist.

Besonders klar formulierten diesen Gedanken die Stoiker.
Epiktet bringt ihn auf den Punkt:
„Es gibt Dinge, die in unserer Macht stehen, und Dinge, die nicht in unserer Macht stehen.“

Die Essenz:

  • Handeln liegt bei dir
  • das Ergebnis nicht vollständig

Auch Marc Aurel schreibt:
„Handle gerecht, ruhig und entschlossen. Alles Übrige liegt außerhalb deiner Verfügung.“

Oder noch knapper:
„Tue, was getan werden muss. Das Weitere fügt sich.“

Bei Seneca findet sich derselbe Kern:
„Nicht der Erfolg macht den Menschen gut, sondern die Tugend seines Handelns.“

Wichtig ist: Diese Haltung ist nicht passiv. Die Stoiker waren keine Fatalisten – im Gegenteil:
Sie forderten verantwortliches Handeln, aber ohne sich innerlich vom Ausgang abhängig zu machen.


Innere Stärke durch das Vorausdenken des Ungewissen

Die sogenannte praemeditatio malorum bedeutet wörtlich etwa „Vorausbedenken möglicher Übel“.
Der Gedanke dahinter ist:

Der Mensch soll sich innerlich bewusst machen, dass schwierige, schmerzhafte oder sogar existenzielle Ereignisse jederzeit eintreten können — Verlust, Krankheit, Scheitern, Tod, Demütigung usw. Nicht um Angst zu erzeugen, sondern um geistig vorbereitet zu sein.

Der Ausspruch von Mencius sagt im Kern etwas Ähnliches:

  • Der entschlossene Mensch vergisst nie seine mögliche Erniedrigung oder sein Scheitern.
  • Der mutige Mensch vergisst nie seine mögliche Verwundbarkeit oder den Tod.

Dadurch bleibt er:

  • wachsam
  • besonnen
  • demütig
  • innerlich stabil

Die Idee ist also nicht: „Erwarte nur Schlechtes“, sondern eher:

Wer die Möglichkeit des Ungünstigen akzeptiert, verliert im Ernstfall weniger leicht Haltung und Klarheit.

Genau deshalb sahen die Stoiker darin eine Übung für innere Stärke und Gelassenheit.