Innere Stärke durch das Vorausdenken des Ungewissen

Die sogenannte praemeditatio malorum bedeutet wörtlich etwa „Vorausbedenken möglicher Übel“.
Der Gedanke dahinter ist:

Der Mensch soll sich innerlich bewusst machen, dass schwierige, schmerzhafte oder sogar existenzielle Ereignisse jederzeit eintreten können — Verlust, Krankheit, Scheitern, Tod, Demütigung usw. Nicht um Angst zu erzeugen, sondern um geistig vorbereitet zu sein.

Der Ausspruch von Mencius sagt im Kern etwas Ähnliches:

  • Der entschlossene Mensch vergisst nie seine mögliche Erniedrigung oder sein Scheitern.
  • Der mutige Mensch vergisst nie seine mögliche Verwundbarkeit oder den Tod.

Dadurch bleibt er:

  • wachsam
  • besonnen
  • demütig
  • innerlich stabil

Die Idee ist also nicht: „Erwarte nur Schlechtes“, sondern eher:

Wer die Möglichkeit des Ungünstigen akzeptiert, verliert im Ernstfall weniger leicht Haltung und Klarheit.

Genau deshalb sahen die Stoiker darin eine Übung für innere Stärke und Gelassenheit.